• Sonstiges - Fan Stories: Kreationen der Hölle (2)
  • Kreationen der Hölle - (2) Die Flucht

    Der Boden war hart und grau.
    Wie die Felsen von KL-729.
    Ab und zu schlug etwas auf dem Boden auf und zersprang wie eine Glaskugel.
    Eine kleine, rote, glänzende Glaskugel.......


    Marine Mike Hurrigan bemerkte erst nach Minuten, dass seine Nase wieder zu bluten angefangen hatte. Er starrte die ganze Zeit nach unten und hob erst den Kopf wieder, als die graue Metallbodenplatte ganz rot von seinem Blut war. Er wischte sich mit dem rechten Arm unterhalb der Nase entlang um das Blut zu entfernen und schrie auf. Sein Arm schmerzte fürchterlich. Er sah ihn sich an und bemerkte auch jetzt wieder das durchgehende Loch darin, welches ihm das brennende Blut eines anderen Lebewesens zugefügt hatte.

    Langsam kehrte er aus seiner Benommenheit zurück und mit der Erinnerung kamen auch die Schmerzen wieder. Es gab nichts an ihm was nicht Weh tat. Er blickte in der großen Halle umher und sah verschiedene, tote Körper am Boden liegen. Oder das , was davon übrig war. Er hatte das Alien und den Predator mit dem Granatwerfer seiner Pulse Rifle vernichtet, als sie laut schreiend miteinander Kämpften. Ihre zerfetzten Körper lagen dampfend am Boden und ringsum waren grüne Phosphorpfützen vom Lebenssaft des Predators. Die Überbleibsel des Aliens hatten sich nahezu komplett in den Boden geätzt. Der grosse Kopf des Preds lag daneben, die gelben Augen weit aufgerissen und das Maul mit den Beißzangen, wie zu einem stummen Schrei geöffnet. Dicke, schlauchartige Gebilde die wie schwarze Schlangen aussahen, wucherten aus dem Kopf des ausserirdischen Jägers. Ob das wohl seine Haare waren?.Hurrigan musste unwillkürlich an Medusa denken.Und plötzlich kam Wut in ihm hoch. Er rannte auf den wuchtigen Kopf zu und trat mehrere male kräftig auf ihn ein.

    "Alles nur wegen dir, du hässliche Qualle. Du hast sie rausgelassen. Wenn du nicht gewesen wärst, könnten meine Kameraden noch leben, du verdammter Bastard !"

    Hurrigan war schnell wieder erschöpft und seine Schmerzen wurden jetzt noch stärker. Also ließ er von dem Kopf ab und schlurfte auf die große Doppeltür der Halle zu. Sie war verschlossen.
    Er ging zum mechanischen Türschloss und gab den Code zum öffnen ein.
    Mit einem zischen glitt die Tür langsam auf. Ein Flügel nach links, der andere nach rechts. Noch während die Türe sich öffnete, drehte sich Hurrigan nochmal zurück, um einen letzten Blick auf das Blutbad in der Halle zu richten.
    "Mein Gott, und ich lebe noch." murmelte er in sich hinein bevor er sich langsam wieder der Tür, welche mitlerweile ganz offen war, zuwandte.

    Er blieb wie versteinert stehen. Sein Unterkiefer klappte nach unten und er spürte wie das Blut in seinen Adern zu gefrieren schien. Fassungslos wankte er ganz langsam zurück.

    Im Gang vor der Türe befanden sich unzählige Aliens. Manche lagen zusammengerollt am Boden, andere hingen wie Fledermäuse von der Decke. Einige hatten eine art Hockstellung eingenommen und den langen glänzenden Kopf weit nach unten gesenkt. Ein unheimliches Rauschen ging von ihnen aus. Sie schienen alle zu schlafen.
    Hurrigan wusste nicht was er tun sollte. Er war so geschockt, dass er noch nicht mal mehr an seine Schmerzen dachte.
    "Mein Gewehr!" schoss es ihm plötzlich durch den Kopf. Er hatte es ja fallen lassen nachdem er das Alien und den Pred getötet hatte. Es lag weit hinter ihm. Und wenn schon, selbst wenn er es hätte, könnte er gegen diese Überzahl ankommen? Wohl kaum.
    Er wunderte sich, dass die Kreaturen nicht vom öffnen der großen Tür aufwachten...........

    Da plötzlich fingen sie an zu zischen und sich zu bewegen. Fast alle gleichzeitig. Als ob sie einen unhörbaren Befehl befolgten.
    Gleichermaßen fasziniert wie entsetzt beobachtete Hurrigan, wie die Wesen geschmeidig ihre langen Gliedmaße und peitschenden Schwänze entfalteten und sich elegant wie dämonische Schönheiten zu voller Größe aufrichteten.
    Schwarz, glänzend und absolut tödlich.
    Er zitterte am ganzen Körper und konnte sich nicht vorstellen was jetzt kommen würde. Vielleicht würde es ja ganz schnell gehen und er würde nichts spüren. Er fing innerlich an zu beten.
    Die Aliens drehten ihre langen Köpfe fauchend in seine Richtung.
    Sie hatten keine Augen und doch spürte er, dass sie ihn ansahen.
    Jetzt kamen sie auf ihn zu und rissen ihre Mäuler auf, aus denen die silbernen, stahlharten Zähne wie Messer aufblitzten.
    Ihre Klauen bedrohlich erhoben wie schwarze knochige Äste im Wind.
    Hurrigan schrie, er schrie und hörte nicht mehr auf.
    Seine ganze Verzweiflung und seine ganze Angst waren in diesem Schrei vereint. Er schloss die Augen und spürte schon die Klauen der Kreaturen, wie sie sich durch sein Fleisch und seine Eingeweide gruben. Knochen barsten und Haut zerriß.
    Er schmeckte sein Blut......und.........starb...................

    .....und wachte auf. Schweißgebadet lag er auf einer großen Kiste vor dem Ausgang der Basis. Erst jetzt hörte er auf zu schreien. Die große, stahlgraue Ausgangstür war verschlossen. Helles Neonlicht flackerte im Gang wie ein Blitzlichtgewitter, begleitet von einem elektronischem zirpen.
    Hurrigan setzte sich mühsam auf. Er hatte Schmerzen.
    Sein Tod war nur ein Traum gewesen, der Rest leider nicht.


    Völlig ausgelaugt saß er schweigend da und ließ sich alles noch einmal durch den Kopf gehen. Viel Glück hatte er ja schon in der Röhre mit den Aliens gehabt. Noch mehr als er aus der Röhre in die Tiefe stürzte.
    Aber warum wurde er nicht vom Predator getötet?
    Hurrigan überlegte angestrengt.
    Wenn der Jäger gewollt hätte, gäbe es ihn jetzt nicht mehr.
    Seinen Kameraden hatte er ja auch gekillt.
    Wahrscheinlich machte es keinen Spaß unbewaffnete zu töten. Vielleicht war er in seinem Zustand keine Herausforderung für den Pred gewesen. Die Aliens handeln nach Instinkt und machen nie eine Ausnahme wenn sie auf andere Lebewesen treffen. Sie greifen alles und jeden an. Der Predator war anders. Er genießt anscheinend seine Macht zu entscheiden wen er umbringt und wen nicht. Wahrscheinlich war er auch etwas intelligenter als die Xenomorphe denn er hatte diese unglaublichen Waffen worauf man auf eine geheimnisvolle Technologie schließen musste. Das Alien und der Predator waren verschieden und hatten dennoch etwas Gemeinsames. Sie brachten beide den Tod.

    Hurrigan wusste, dass er sich selbst nicht alle Fragen beantworten konnte und stand auf. Zuerst musste er herausfinden ob er der einzige Überlebende der Wacheinheit war oder ob sich vielleicht noch einige seiner Kameraden in der Basis aufhielten. Er beschloss in den Sozialtrakt zu gehen und hoffte dass es nicht noch mehr von diesen Predatoren hier gab. Um Aliens machte er sich jetzt erstmal keine Gedanken mehr denn die drei Exemplare der Basis waren tot. Nur in seinen Alpträumen konnten sie ihm noch gefährlich werden. Es war anscheinend so eine unangenehme Folge einer Begegnung mit ihnen. "Wenn du es überlebst dann fürchte dich vor deinen Träumen.", hatte mal einer der Wissenschaftler zu ihm gesagt.

    Hurrigan durchstreifte den Sozialtrakt und fand nur verstümmelte Leichen. Teilweise konnte er noch nicht mal erkennen um wen es sich handelte, so brutal waren seine Kameraden zugerichtet worden. Er konnte sich lediglich, anhand der Verletzungen, ausmalen von wem sie getötet wurden. Einige waren brutal zerfetzt worden oder hatten faustgroße Löcher im Kopf. Das Werk der Aliens. Manche hatten eine riesige, verkohlte Wunde, die durch den ganzen Oberkörper ging. Andere wiederum waren wie mit einer großen Säge in der Mitte des Körpers durchtrennt worden. Und bei einigen fehlte die komplette Wirbelsäule samt Schädel. Hurrigan hatte davon gehört, dass diese außerirdischen Jäger , Trophäen von ihren Opfern mitnehmen. Ein unheimlicher Gedanke.

    Er kam in die riesige Lagerhalle der Basis.
    Trotz der vielen Kisten, Fässer und Container, die fast die Hälfte der Bodenfläche beanspruchten, hallten seine Schritte durch das Lager. Am Ende war ein gewaltiges Plexiglasfenster das zerborsten war. Hurrigan ging hin und schaute vorsichtig hinaus. Ein heftiger Wind durchzauste sein Haar. Er konnte die gewaltige Schlucht sehen in die der ganze Müll entsorgt wurde. Er schaute nach oben und konnte das Ende der Röhre sehen in der er noch vor kurzem um sein Leben kämpfte. Ein dickes Gitter verschloss normalerweise die Röhre aber es war herausgerissen. Die Aliens müssen wohl hier durch das Fenster gekommen, und dann rauf in die Röhre geklettert sein. Er genoss den starken Wind und hatte einen kurzen Augenblick das Gefühl von Freiheit.

    Plötzlich wurde er von hinten gepackt. Zwei starke Arme wirbelten ihn herum. Er hatte keine Zeit zum nachdenken und blickte erschrocken in das ...........Gesicht einer Frau.

    Es war Kim Orland, seine Kameradin. Er sah ihr an, dass sie wohl ähnliches wie er durchgemacht hatte. Doch sie war am Leben und im Moment war das für ihn wie ein Geschenk Gottes. Sie fielen sich in die Arme und drückten sich ganz fest. Tränen liefen der jungen Soldatin über die Wangen und stoppten dort, wo ihre beider Gesichter sich berührten. Es vergingen einige Sekunden ehe sie ihre Umarmung wieder lösten und sich beide ansahen.
    "Du hast mich zu Tode erschreckt aber ich bin überglücklich dich zu sehen.", sagte Hurrigan mit einem leichten Lächeln.
    Sie erwiderte es und sprach hektisch: "Ich war hinter dieser Kiste und als du vorbeikamst und dich aus dem Fenster lehntest, dachte ich du wolltest dich Umbringen."

    "Nun Kim, ich denke um zu Sterben brauchen wir uns hier nicht anzustrengen, eher um zu Überleben."
    "Da hast du leider recht. Ich glaube wir sind die einzigen. Aber was können wir jetzt tun?"
    Hurrigan überlegte einen kurzen Moment und kratzte sich am Kinn. "Was ist mit der Funkverbindung zu unserer Militärbasis auf Tarlon 4?"
    "Vergiss es Mike, es gibt keine Funkverbindung mehr."
    "Warum nicht?, haben die Aliens sie zerstört?"
    " Nein aber die Predatoren."
    "Die Predatoren?" Hurrigan hielt seinen Kopf etwas schief als ob er es nicht richtig gehört hätte. Das hört sich nach mehreren an."
    "Ja, es sind acht Stück."
    "Was, wieviel ?"
    "Du hast mich verstanden Mike, es sind acht von ihnen hier auf KL-729."
    "Woher weisst du das?"
    "Ich habe es auf Video gesehen. Vorhin als ich das Funkgerät überprüfen wollte, habe ich die Aufzeichnungen sämtlicher Kameras der Basis angeschaut. Und die Kamera im Außenbezirk 15 zeichnete die Landung der Preds auf, wie sie aus ihrem Schiff kamen und in den Felsen verschwanden. Der Abtaster registrierte acht Subjekte".
    "Aber warum haben wir kein Signal gekriegt? Ich meine bei einer Ankunft, egal von wem erhalten wir doch ein Signal."
    "Das stimmt schon Mike, aber diese Kerle waren anscheinend in der Lage unser gesamtes Sicherheitssystem lahm zu legen, ohne das wir etwas bemerkten. Dann ist einer hier eingedrungen und den Rest kannst du dir denken. Die Kameras zeichneten zwar alles brav auf aber das Signal bei Ungereimtheiten oder Gefahr ertönte eben nicht. Und irgendwann, nachdem das erste Alien frei war, gingen die Kameras ganz aus. Vielleicht war das auch dieser Predator".
    "Also gut, den einen hab ich erwischt, die Aliens sind alle drei tot aber was ist mit den restlichen sieben Preds, Kim?"
    "Ich hab keine Ahnung. Sie kamen jedenfalls nicht in die Basis. Sie müssen noch da draußen sein. Vielleicht sind sie wieder in ihrem Schiff."
    "Ja, vielleicht, aber uns bleibt jetzt nur noch die Flucht mit dem Notjet denn hier können wir nichts mehr tun. Die Ablösung kommt erst in 3 Wochen".

    Hurrigan wollte gerade losziehen als Kim ihn festhielt und mit ernster Miene ansah. "Warum Mike? Warum hat mich der Pred nicht getötet aber dafür andere von uns?"
    "Ich hab keine Ahnung, ich bin ihm ja auch begegnet aber ich denke er hatte kein Interesse an mir weil ich unbewaffnet und verletzt war."
    Kim überlegte kurz. "Ich war bewaffnet Mike", sie deutete auf ihren Rücken wo sie sich das Snipergewehr umgehängt hatte, "er hat mich aber einfach auf die Seite geschubst und Sergant Tippet getötet, welcher übrigens unbewaffnet war."
    "Hmmm, wenn das so ist dann macht es alles keinen Sinn."
    "Allerdings, es muss einen Grund geben warum wir verschont wurden." Sie sahen sich beide an und wussten aber keine vernünftige Antwort. Hurrigan klopfte seiner Kameradin auf die Schulter. "Aber trotzdem müssen wir jetzt hier raus. Wir wissen nicht wann diese Kerle es sich anders überlegen und uns auch massakrieren. Außerdem brauch ich eine Waffe". Sie gingen los.

    Auf ihrem Weg zum Ausgang kamen sie am Waffen und Munitionslager vorbei. Hurrigan öffnete die Tür und ging hinein. Sofort sprach ein Bewegungskontakt an und der Raum wurde hell beleuchtet. Die Regale die sich an beiden Wänden befanden waren gefüllt mit Munition und allerhand Waffen. Er sah sich einige Sekunden um und nahm dann eine Tri-Power-Rifle aus der Halterung. Diese Waffe sah der herkömmlichen Pulse Rifle sehr ähnlich war aber doppelt so groß, hatte zwei Mündungen für die Impulsgeschosse und darunter den Granatausstoß. Hurrigan packte vier Magazine mit je 200 Schuß in seinen Beutel und ein fünftes steckte er gleich in die Munitionsaufnahme der Waffe. Kim Orland griff sich einen Flammenwerfer und klemmte sich noch zwei Schachteln Munition für ihr Snipergewehr in den Gürtel. Ebenso zwei Kontaktgranaten. Dann holte Hurrigan noch einen Bewegungsmelder aus einer Kiste und steckte ihn an seine Gürtelschnalle.
    "So, mehr kann ich nicht tragen". Er konnte sich ein verschmitztes Lächeln abringen, auch wenn ihnen beiden gar nicht zum Scherzen zumute war. Sie waren erschöpft und hatten mehrere Verletzungen. Ihre Kameraden waren alle tot und sie vielleicht auch bald. Beide wussten nicht was sie da draußen erwarten würde und ob sie es überhaupt bis zum Notjet schaffen konnten. Diese Predatoren waren wahrscheinlich immer noch da draußen, irgendwo in der Nähe der Basis und warteten auf Beute.

    Kim tippte mit zitternder Hand den Code für die Ausgangstür ein, worauf sich das gewaltige Tor in Bewegung setzte und nach oben fuhr. Ein heftiger Wind blies ihnen entgegen und mittlerweile war es dunkel geworden. "Also gut", sagte Hurrigan, "gehen wir`s mal an".
    Die zwei Marines stapften hinaus in die Nacht während sich hinter ihnen das große Tor wieder senkte und die Basis verschloss. Der Notjet war auf der Startplattform welche sich ca. 400 Meter nördlich der Basis befand. Eigentlich ungünstig für ein Fluchtvehikel wenn es nicht direkt in der Basis war. Aber der Grund dafür war, dass die Plattform hoch über das Gelände ragte und somit einen raschen Start ermöglichte, während die Basis selbst, unten in den riesigen Felsen eingelassen war.

    Sie entfernten sich von der Basis und gingen weiter in die düsteren Felsformationen hinein. Hurrigan aktivierte seinen Bewegungsmelder, welcher ruhig vor sich hinpochte und keinerlei Anzeichen von drohender Gefahr machte.
    Der Wind ließ etwas nach und die Sterne leuchteten jetzt hell wie Diamanten auf einem schwarzen Seidentuch. Sie sprachen kein Wort und jeder hatte den Finger am Abzug seiner Waffe. Trotz ihrer Erschöpfung waren sie hochkonzentriert und aufmerksam.
    Doch außer einem leichten knirschen, dass ihre Kampfstiefel auf dem steinigen Boden verursachten, war nichts zu hören. Merkwürdig geformte Felsengebilde ragten in den Nachthimmel hinein. Hurrigan wurde wieder an Alienklauen erinnert.

    Die beiden Soldaten konnten die Startrampe des Fluchtjets fast sehen, nur noch um eine große Felswand biegen und sie waren gleich dort. Beide gingen jetzt unbemerkt schneller weil sie auch gleichzeitig ungeduldiger wurden. Ein paar Minuten noch und sie konnten endlich KL-729 verlassen und nach Tarlon 4 fliegen, wo sich ihr Stützpunkt befand.

    Auf einmal blieb Hurrigan stehen und Kim Orland wäre fast in ihn hineingelaufen. "Was ist denn?" flüsterte sie ihm mit einem leicht verärgerten Unterton über die Schulter. Hurrigan drehte sich nicht um.
    "Hörst du das nicht?".
    "Was denn?".
    Die Soldatin stellte sich neben ihn und lauschte.
    Jetzt konnte sie auch etwas hören.
    Es war wie ein tiefes ächzen oder verzerrtes Rufen, weit weg.
    "Es kommt von dort drüben." Hurrigan deutete auf eine leichte Gesteinserhöhung.
    Sie gingen in die Hocke und schlichen langsam auf das Geräusch zu. Kurz bevor sie die Erhöhung erreichten legten sie sich beide wortlos auf den Bauch und lugten vorsichtig über die Felsen.

    Der große außerirdische Jäger hatte die beiden Marines schon lange erspäht. Er war hoch oben auf den Felsen und konnte sie mit seiner Helm integrierten Wärmefiltersicht nur zu gut beobachten. Schon als sie aus der Basis gekommen waren, hatte er sie ins Visier genommen. Er zoomte ran, sah wie sie in die Hocke gingen und dann von ihm weg, auf eine Gesteinserhöhung zu krochen auf welcher sie dann verharrten. Er musste nur noch die Schulterkanone betätigen. Die automatische Zielerfassung seiner Waffe hatte schon einen der beiden Soldaten anvisiert. Sie lagen so dicht beieinander, dass er vermutlich Beide mit nur einem Schuss erwischen würde. Dieser Gedanke bereitete dem Predator Freude und er kachelte sadistisch hinter seiner Metallmaske. Die beiden Menschen bemerkten die drei roten Laserpunkte nicht , die auf ihren Rücken hin und hertanzten.

    Mike Hurrigan und Kim Orland lagen da und spähten über die Steine, einen dahinter liegenden Abhang hinunter. Da war es. Das große Schiff der Preds.
    Wie ein riesiger Dolch sah es aus. Mit merkwürdigen Metallschuppen und kupferfarbenen Windungen verkleidet. Wie das Relikt einer vergessenen Kultur und dennoch modern. Die Form und das Aussehen allein ließen schon Vermuten, dass es sich um etwas Bedrohliches handelte. Um das geheimnisvolle Schiff herum loderten hellblaue Flammen wie kleine Lagerfeuer. Und vor diesen Flammen saßen die Predatoren. Ihre Tarnung war aus und sie gaben merkwürdige Laute von sich. Zwei studierten grunzend ihre Waffen und drei schlürften schmatzend Nahrung aus metallenen Schüsseln. Um die Jäger herum lagen Knochen und menschliche Totenschädel.

    "Was machen die da? Etwa ein Picknick?", flüsterte Kim
    zornig. Hurrigan wandte den Blick nicht von dem Lager ab.
    "Keine Ahnung Kim, aber es sieht ganz danach aus".
    "Dort, siehst du die Knochen? Das sind welche von uns".
    "Diese miesen Ratten". Hurrigan festigte den Griff um seine Waffe als sich plötzlich der Landungssteg aus dem Bauch des fremden Raumschiffes senkte und eine riesige Gestalt, stampfend das Gitter herunterkam. Sofort sprangen die anderen Predatoren auf und versammelten sich ehrfürchtig um den Koloss. Die beiden Marines senkten die Köpfe wieder etwas nach unten, so dass sie jetzt gerade noch etwas erkennen konnten. Die herkömmlichen Predatoren waren schon unheimlich genug aber dieser Riese, welcher nur die Rolle des Anführers haben konnte, war der fleischgewordene Schrecken in Person. Er war bestimmt an die 3 Meter. Sein massiger Körper war von Narben übersäht und seine zornigen Augen funkelten wie glühende Kohlen. Seine Kopfschläuche reichten bis fast zum Gesäß und purzelten wild durcheinander.
    Als Schmuck trug er auf seinen gewaltigen Schultern, je einen Alienschädel welcher dem Verlauf seines Armes folgte und an seinem rechten Bein hingen drei Menschenschädel. Seine langen Beißzangen spreizten sich und er öffnete das Maul zu einem lang anhaltenden Schrei, der wie tiefe Trompeten dröhnte und direkt aus der Hölle zu kommen schien. Augenblicklich setzten sich alle anderen Predatoren auf den steinigen Boden, worauf sich der Anführer auch setzte und sich grunzend mit ihnen unterhielt.

    "Das ist unsere Chance, Mike. Die sind beschäftigt. Wir sollten schleunigst sehen, dass wir auf die Plattform kommen und unsere Ärsche retten."
    Hurrigan nickte und drehte sich auf den Rücken.
    Sofort fing der Bewegungsmelder an zu Piepen.
    Er signalisierte Bewegung in weniger als 4 Meter!
    Im selben Moment sah Kim die drei roten Punkte auf ihrem Oberkörper." Direkt vor uns!", schrie sie und betätigte den Abzug des Flammenwerfers. Eine lange Zunge verbrennenden Napalms leckte aus der Waffe und formte aus dem nichts heraus eine große, sich schüttelnde Gestalt die wild brüllte. Der Predator war direkt vor ihnen. Sofort feuerte Hurrigan mit der Tri-Power auf die Flammensillouette während sich Kim hinter die Gesteinserhöhung rollte. Ein Schwall leuchtend grünes Phosphorblut erstreckte sich aus dem zuckenden Predator der von Hurrigans Waffe durchsiebt wurde. Noch im Fallen betätigte der sterbende Pred seine Schulterkanone die einen gleißend hellen Plasmaball freigab. Der Energieschlag sprengte Steine in tausend kleine Teile, die wie Geschosse umherflogen und sich in Kims Oberschenkel bohrten. Sie schrie. Der Pred krachte stöhnend auf den harten Boden und wurde sichtbar. Eine weitere Fontäne Phosphorblut wurde beim Aufschlag aus dem massiven Körper gepresst und spritzte leuchtend in die Luft. Hurrigan sah sofort nach Kim. Sie hatte fürchterliche Schmerzen im Bein aber sie hatte jetzt nur einen Gedanken und brüllte zu Hurrigan: "Die anderen kommen! Wir müssen hier weg!"
    Hurrigan sprang auf und blickte zum Lager der Preds. Mittlerweile hatten diese ihre Helme aufgesetzt und stürmten den Abhang hinauf. Allen voran der riesige Anführer. Einer nach dem anderen wurde unsichtbar.

    Die beiden Marines rannten wie vom Teufel gehetzt um eine Felsenwand und kamen an eine in den Stein gemeißelten Treppe, die mit Gitterplanken überzogen war, und hinauf zur Plattform führte. Hurrigan schob Kim vor sich her. Seine Kameradin verlor eine Menge Blut durch die klaffende Wunde am Oberschenkel aber sie hielt tapfer mit. Sie sprangen die Treppe hinauf und wagten nicht sich umzusehen. Die Jäger waren hinter ihnen. Das Ziel war ganz nah. Regen setzte plötzlich ein und prasselte wie ein Trommelfeuer nieder. Da, endlich hatten sie die Plattform erreicht. Hurrigan raste zu dem Terminal neben der Startschleuse und gab den passenden Code ein während Kim versuchte ihm Deckung zu geben. Nach wenigen Sekunden sprangen Warnlampen rings um die Plattform an und die Startschleuse im Boden öffnete sich. Der große Fluchtjet wurde hydraulisch aus der Tiefe gehoben. Seine Triebwerke rauchten. Die Rampe fuhr herunter. Der Jet war Startbereit. Triefend nass hetzten die beiden Soldaten auf ihr Fluchtgefährt zu.

    Kim hörte wie Hurrigan hinter ihr plötzlich stolperte und hinfiel. Sie drehte sich zu ihm um und sah wie die Preds die Treppe heraufgestürmt kamen. Kleine Blitze zuckten an ihren Rüstungen. Anscheinend hatte der Regen ihre Tarnvorrichtungen lahmgelegt. Hurrigan stand rasch wieder auf und sah zu Kim. Er bemerkte nicht, dass der Anführer sich direkt hinter ihm Aufbäumte.
    "Auf den Boden, Hurrigan!" schrie Kim und hob den Flammenwerfer.
    Aber Hurrigan drehte sich jetzt nach hinten und stand dem riesigen Pred gegenüber. Kim konnte nicht Feuern sonst würde sie Hurrigan auch erwischen. Der Marine hob sein Gewehr und im selben Moment schossen zwei lange klingen durch Hurrigans Oberkörper und durchbohrten ihn.
    "Neiiiiiiiiiin!" schrie Kim und sah wie Hurrigan in die Luft gehoben wurde und seine Waffe fallen ließ. Im gleichen Moment ließ auch sie ihre Waffe fallen.
    Sie wollte es nicht wahrhaben, dass ihr Kamerad getötet wurde. Doch er rief ihr mit letzter Kraft entgegen: "Kim, hau ab.....rette dich,.......es ist aus!"

    Kim wusste, dass sie keine andere Wahl hatte. Wenn sie leben wollte musste sie jetzt in den Jet steigen. Mit Tränen in den Augen wetzte sie schluchzend die Rampe hoch. Drei Preds verfolgten sie und hatten die Rampe erreicht als Kim sich noch mal umdrehte und ihre Kontaktgranaten, aus der sich nun schließenden Rampe warf.

    Ein riesiger Feuerball sprengte die Verfolger in tausend Fetzen und erfasste auch noch die beiden anderen heraneilenden Preds während der Jet mit heulenden Triebwerken in den Himmel raste. Kim saß im Cockpit und weinte hemmungslos.

    Die Plattform war mit Phosphorblut und Körperteilen der toten Preds übersäht. Nur der riesige Anführer stand noch, boshaft lachend da und blickte dem Fluchtjet nach bis dieser mit Kim endgültig im All verschwand................

    Diesmal war es kein Traum.
    Marine Mike Hurrigan spürte wie das Leben langsam aus seinem Körper wich. Er hatte keine Schmerzen mehr.
    Er hing mit dem Kopf nach unten an einem Felsvorsprung.
    Neben ihm zwei tote, gehäutete Körper.
    Er würde nun auch ausbluten um anschließend seine Haut zu verlieren.


    Der Boden war hart und grau.
    Wie die Felsen von KL-729.
    Ab und zu schlug etwas auf dem Boden auf und zersprang wie eine Glaskugel.
    Eine kleine ,rote, glänzende Glaskugel.............................

    2003, by Hellcreation.